TLV - mehr als ein Verein

Zu Zeiten von Kontaktbeschränkungen und zahlreichen Verboten ist es besonders wichtig, dass man als Verein zusammenhält. Neben online-Trainingsplänen und online-Veranstaltungen bleibt noch etwas Zeit, um kreativ zu werden. Der Jugendausschuss des TLV hat sich daher eine besondere Aktion überlegt. Über mehrere Wochen wurden dabei Beiträge in Form von Fotos, Nachrichten, Gedichten, Videos und Texten gesammelt, die alle unter dem Titel liefen "Was mich mit dem Verein verbindet". Gefragt war also nach den schönsten Momenten, den tollsten Wettkämpfen oder einfach einer lustigen Anekdote. Das hier eingestellte Video zeigt einen Zusammenschnitt der Beiträge, zwei weitere Beiträge sind aufgrund der Länge beziehungsweise besseren Lesbarkeit separat zu lesen. Viel Spaß beim Anschauen und vielen Dank an alle Beteiligten. 

Beitrag von Viktoria

...
Seit nun fast sieben Wochen vergeht eigentlich kein Tag, an dem ich nicht an die wunderschönen
und emotionalen Momente zurückdenke, die ich mit dem TLV Germania Essen-Überruhr in den
letzten Jahren erleben durfte. Mittlerweile ist es sogar so weit gekommen, dass mir auch nur beim
Gedanken an den Sportplatz, der zu meinem zweiten Zuhause geworden ist, die Tränen kommen.
Gerade in dieser Zeit ist es dann wichtig, an den schönen Momenten im Leben festzuhalten und sich
damit zu motivieren. Denn irgendwann wird bestimmt den Tag kommen, an dem wir uns alle
wieder in den Arm nehmen, miteinander über Siege freuen, aber auch gemeinsam Niederlagen
verkraften können. Und doch ist dieser eine Tag, den man sich so sehr herbeiersehnt, noch gefühlt
tausend von Lichtjahren entfernt und nur in Träumen existent. Während der letzten Wochen
versucht man sich also immer an die unvergesslichen Momente zurückzuerinnern, die einem den
Rücken gestärkt und gezeigt haben, wie wertvoll es eigentlich ist, ein Teil einer solch tollen
Gemeinschaft zu sein. Wenn ich nun alle dieser Momente und Erfahrungen aufzählen würde, die
ich bisher erleben durfte, würde die Liste bestimmt sehr lang werden. Jedoch gab es einen Tag in
meinem Leben, der mir eigentlich das erste Mal wirklich gezeigt hat, wie dankbar man eigentlich
sein müsste, dass man mit so vielen tolle Menschen solche Erlebnisse teilen darf. Der Tag, von dem
ich spreche, ist der 01. Juli 2017 gewesen. Ein Datum, was ich seit dem 15. März in diesem Jahr
Tag für Tag vor Augen hatte. Ich kann mich noch genau an das Training am 13. März erinnern. Es
war ein Montag, an dem Imke nach dem Training zu mir kam und meinte, dass sie das nächste Mal
etwas mit mir zu besprechen hätte. Ich war gerade im ersten Jahr der U16, ein bisschen schüchtern
und habe eigentlich nur Montags und Freitags trainiert, da ich Mittwochs immer verhindert war.
Und doch hat Imkes Aussage irgendwas in mir ausgelöst, was mich dazu getrieben hat, unbedingt
am Mittwoch zum Training zu kommen. Ich weiß nicht, woran es lag, aber irgendwie konnte ich es
kaum erwarten, bis ich Mittwoch endlich zum Training gehen konnte. An diesem Tag hat Imke
nach dem Training die alljährlichen Wettkampfzettel mit allen möglichen Terminen ausgeteilt. Den
Wettkampfzettel von damals habe ich heute noch. Wir waren gerade dabei, vom Ziel aus zur
Tribüne zu laufen, als sie mir dann erzählte, dass ich in ihren Augen es schaffen könnte, die Norm
für die Deutschen Meisterschaften im Blockmehrkampf Lauf zu erreichen. Zu diesem Zeitpunkt
habe ich nie damit gerechnet, überhaupt einmal mit dem Gedanken zu spielen, an solch großen
Meisterschaften teilnehmen zu dürfen. Zugegeben wusste ich noch nicht mal, dass es solche
Meisterschaften für meine Altersklasse gibt. Imke sprach mit mir darüber, dass sie die Norm
eigentlich für erreichbar hält. Da war nur diese eine Zusatznorm, die ausgerechnet für den Block
Lauf zu erfüllen war. Die eigentliche Norm lag bei meine ich 2325 Punkten, doch zusätzlich zu
dieser Punktzahl musste entweder über die 800m eine Zeit von 2:28,00min erreicht werden oder
über die 2000m eine Zeit von 7:20,00min. Zeiten, die für mich zu diesem Zeitpunkt sehr
unrealistisch gewirkt haben. Aber Imke glaubte, dass ich die Zeit über die zwei Kilometer durchaus
laufen könnte, wenn man ausgeruht in das Rennen startet. Demnach stand fest: am 29. April wird in
Neus auf der neu gemachten Bahn bei den NRW-Langstreckenmeisterschaften an den Start
gegangen. Das war genau der Tag, an dem auch das erste mal der Tag der Überflieger auf der
Bezirkssportanlage ausgerichtet wurde, sodass Werner Florian und mich zum Wettkampf begleitete.
Aufgrund ein paar Komplikationen durfte ich an diesem Wettkampf auch das erste Mal meine
Stellplatzkarte alleine abgeben, wobei ich vorher noch nicht mal wusste, wofür diese Karten
wirklich gut waren. In der ganzen Aufregung habe ich dann sogar die falschen Karten abgegeben,
aber es ist ja alles nochmal gut gegangen. Vor dem Lauf dachte ich mir, dass es nicht auf den Platz
für mich ankommt, sondern nur auf die Zeit. Ich habe versucht, mich an andere Läuferinnen
dranzuhängen, was dann anscheinend ganz gut geklappt hat. Vom Rennen selber weis ich nicht
mehr so viel, aber die letzten beiden Runden waren extrem anstrengend und ich frage mich bis
heute noch, wie ich die Zeit von 7:08,75 überhaupt geschafft habe. Ich bin nie mehr so schnell im
Wettkampf diese Strecke gelaufen, aber das ist jetzt eigentlich auch eher nebensächlich. Denn an
diesem Tag konnte ich kaum realisieren, dass der erste Schritt zum neuen Ziel, an Deutschen
Meisterschaften teilzunehmen, gemacht wurde. Ich war der glücklichste Mensch an diesem Tag und
konnte es kaum erwarten, Imke diese Zeit nachher noch beim Tag der Überflieger mitzuteilen. Und

es sollten noch schönere Momente kommen. Am 14. Mai stand nämlich schon der Blockwettkampf
an, um endlich auch die geforderte Punktzahl zu erreichen. Bereits die Autofahrt nach Aachen war
so witzig, das die Stimmung bei uns Mädchen, mit denen ich im Auto saß, eigentlich nicht mehr zu
übertreffen war. Zuhause hatte ich mir vorher genau ausgerechnet, welche Leistungen ich in den
jeweiligen Disziplinen erreichen musste. Und doch waren immer noch ein paar Zweifel da, zumal,
weil der Ballwurf an diesem Tag nicht so gut geklappt hat. Vor der letzten Disziplin, dem 2000m
Lauf, war ich glaube sehr aufgeregt. Aber alle sprachen mir gut zu, sodass dann am Ende eine Zeit
dabei rauskam, die zum erreichen der Punktzahl gereicht hat. Ich war Überblick und habe gar nicht
gespürt, wie k.o. ich nach dem Wettkampf aussah. Die Bilder von diesem Tag sprechen glaube ich
für sich. Aber ich konnte es noch nicht fassen, dass der Traum von den ersten Deutschen
Meisterschaften endlich in Erfüllung gehen würde. Bis zum 01. Juli war es dann noch ein bisschen
Zeit, in der jedoch noch vieles passiert ist. Ich bekam das blaue DM T-Shirt von Bunert, auf das ich
bis heute noch super stolz bin. Auch neue Spikes für den Ballwurf wurden besorgt, wobei ich mir
auch einen eigenen Ball aussuchen durfte, den ich nachher zur Motivation noch beschriftete. Am
30. Mai fuhren dann Imke, Kati als super Unterstützung und ich los nach Lage. Bereits bei der
Autofahrt herrschte in mir ein völliges Gefühlschaos, was noch lange anhalten würde. Abends nach
dem Abendessen erzählte mir Imke noch, dass Tim mal gesagt hat, dass Startnummern immer schon
am Abend vor dem Wettkampf an das Trikot gemacht werden sollten, was Glück bringt. Gesagt,
getan. Am nächsten morgen war es dann so weit. Es war ein etwas verregneter Tag mit nur ein paar
Sonnenstrahlen. Aber eigentlich das perfekte Wetter für mich. Vor dem Beginn der ersten Disziplin
sagte ich zu mir, dass ich mein Ziel eigentlich schon erreicht habe. Vor einem halben Jahr hätte ich
nie damit gerechnet, irgendwann dort auf der Bahn mit den offiziellen Startnummern des DLV auf
dem Trikot zu stehen. Somit stand für mich ausschließlich der Spaß im Vordergrund, sodass mich
der Rang, auf dem ich nach den Disziplinen jeweils lag, gar nicht so sehr interessiert hat. Trotzdem
habe ich Imke meine ich nach zwei absolvierten Disziplinen danach gefragt, auf welchem Platz ich
im Moment liege. Sie schmunzelte mich an und sagte lachend, dass es im Moment Platz vier wäre.
Zu diesem Zeitpunkt dachte ich, dass es noch „normal“ war, weil ich meine zwei stärksten
Disziplinen, den Hürdensprint und den Ballwurf, schon hinter mir hatte und nun eher die
„Zitterdisziplinen“ anstanden. Doch nach dem 100m Sprint lag ich immer noch auf dem vierten
Rang und das war mit der erste Moment, in dem ich realisierte, was ich hier gerade eigentlich
mache. Ich glaube, dass Imke und Kati mit solch einer Zwischenplatzierung auch nicht gerechnet
haben. So ging es nun zum Weitsprung. Beim letzten Training vor den Meisterschaften haben Dirk
und ich den Anlauf nochmal umgestellt, was sich als eine der besten Entscheidungen herausstellte.
Ich sprang deutlich persönliche Bestleistung, während die anderen Teilnehmerinnen teilweise hinter
ihren Möglichkeiten blieben. Demnach kam es dazu, dass ich nach dem Weitsprung sogar auf Platz
drei lag und somit im ersten 2000m Lauf dran war. Ich war noch nie so aufgeregt vor einem Lauf
wie vor diesem. Es war noch einmal schlimmer, als vor dem Rennen in Aachen. Ich weiß noch
genau, wie hektisch alles war, weil nun jeder am Rechen war und auch noch der Lauf plötzlich
zeitlich nach vorne gezogen wurde. Ich stand auf der Bahn und wusste nicht so richtig wohin mit
mir und meinen Gefühlen. Ich hatte das erstmal wirklich Respekt bzw. Angst vor einem Lauf. Doch
Kati und Imke motivierten einen nur noch mehr, sodass dann am Mittag der Startschuss ertönte. An
den Lauf kann ich mich wiedermal nicht mehr genau erinnern, nur dass ich glücklich als zweite im
Ziel ankam. Nun ging jedoch das lange warten und grübeln los, weil noch der zweite Lauf mit
vielen starken Läuferinnen folgte. Und die Siegerehrung ließ auch sehr lange auf sich warten. Ich
glaube, dass Kati, Imke und ich noch nie so lange auf eine Siegerehrung wie auf diese gewartet
haben. Als die Ergebnisslisten endlich aushingen, wollte ich mich aber überraschen lassen. Als dann
für die Siegerehrung aufgerufen wurde, war aber der Moment gekommen, an dem ich nun erfahren
habe, dass ich wirklich dritte geworden bin. Es war alles so irreal und begreifen konnte ich es erst
so richtig, als ich Kati nach der Siegerehrung vor Freude weinend in den Arm gefallen bin.
Eigentlich wollte ich nicht weinen, aber es geschah einfach und es war bis heute mit der
emotionalste Moment, den ich je erleben durfte. Es war ein so unbeschreiblich schönes Gefühl, so
überraschend etwas erreicht zu haben, mit dem man nie gerechnet hätte. Solche Freudentränen hatte

ich bisher noch nie und ich finde, dass es fast nichts schöneres auf der Welt gibt, als vor Freunde zu
weinen. Das hört sich ein bisschen skurril an, aber dieser Moment
hat mich bis heute so sehr geprägt. Als ich meine Familie angerufen habe musste ich wieder
beinahe anfangen zu weinen. Alles war in diesem Moment so perfekt und über die ganzen
Glückwünsche, die ich erhalten habe, habe ich mich sehr gefreut. Erst am Tag danach kam die
Erschöpfung, aber damit auch das erste Mal, an dem man realisiert hat, was eigentlich geschehen
ist. Ich kann mir immer noch nicht vorstellen, wie ich das geschafft habe. Vielleicht war es auch der
Gedanke daran, dass Imke extra ihren Urlaub wegen dem Wettkampf verschieben musste, der letzte
gewisse Druck, einen guten Wettkampf zu absolvieren ;) so wirklich weiß ich es aber bis heute
nicht.

Der 01. Juli 2017 bedeutet mir nach diesem Erlebnis so viel und ist immer noch einer der schönsten
Momente, die ich in meinem Leben erleben durfte. An dieser Stelle möchte ich mich nochmal bei
so vielen Personen bedanken, die diesen Tag, ob vorher, währenddessen oder nachher, zu so einem
unvergesslichen Erlebnis gemacht haben. Ich bin so dankbar, ein Teil dieser grün gelben Familie
sein zu dürfen. Mit euch durfte ich bisher so viele wundervolle Momente erleben, meistens auf dem
Sportplatz, an die ich mich gerade in solchen Zeiten wie jetzt gerne zurückerinnere. Ich hoffe, dass
wir alle noch weiterhin solche Momente miteinander erleben können. Bis dahin müssen wir das
beste aus dieser Situation machen und das schaffen wir auch. Es heißt ja nicht umsonst: Grün-gelb
zusammen und gemeinsam!

Viktoria Heising

Zurück